winterkrieg: die ursachen

 

 

 

Wie kam es, dass die Sowjetunion Ende November 1939 Finnland angriff?

 

Bis heute ist diese Frage umstritten, und bis heute wird sie unterschiedlich beantwortet.

 

 

 

 

was stalin sagte

 

 

Zuerst die Meinung von Stalin - er hat seine Meinung rund einen Monat nach dem Ende des Winterkrieges beantwortet: Damals trommelte er eine Gruppe von militärischen und politischen Entscheidungsträgern zusammen. Sie hatten der Frage nachzugehen, warum der Winterkrieg erbärmlich schlecht verlaufen war.

 

 

Stalin äussert sich wie folgt:

 

Er wirft zuerst die Frage auf, ob der Krieg vermeidbar gewesen wäre. Er verneint dies: Der Krieg war unvermeidlich.

 

Denn, so führt Stalin aus, er war notwendig, weil die Friedensverhandlungen mit Finnland zu keinem Resultat geführt haten und weil man sich über die Sicherheit von Leningrad Gedanken machen musste - denn die Sicherheit Leningrads, so hielt Stalin fest, war auch die Sicherheit des sowjetischen Vaterlandes.

 

 

Und somit gilt nach Stalin:

 

'Es ist klar, dass wir nach dem Scheitern der Friedensverhandlungen mit Finnland den Krieg erklären mussten, um die Sicherheit von Leningrad und die Sicherheit unseres Landes mit miltitärischer Gewalt zu organisieren, zu gewährleisten und zu stärken.'

 

 

 

Wie ist dies gemeint?

 

Leningrad liegt nahe an der Grenze zu Finnland. Stalin glaubt, dass dies für Leningrad gefährlich ist. Es ist für ihn denkbar, dass Leningrad von Finnland aus angegriffen wird. Um dies zu verhindern, will er, dass Finnland Land abgibt und seine Grenzen verschiebt.. Das abgetretene Gebiet wird dann zu sowjetischem Gebiet. Dort kann Stalin seine Armee platzieren, um Leningrad vor allfälligen Angriffen zu schützen.

 

 

Das führt direkt zu Putin: Er wiederholt letztlich die Argumente von Stalin.

 

 

 

was putin sagt

 

 

 

Viele Jahre später liefert Putin eine Erklärung für den Winterkrieg, die in die gleiche Richtung zielt: Als Finnland zu einem eigenständigen Staat wurde, wurde die Staatsgrenze nahe bei Leningrad gezogen - zu nahe. Das war ein Fehler, und diesen Fehler hat man, um die Sicherheit von Leningrad zu gewährleisten, im Winterkrieg korrigiert.

 

Sagt Putin.

 

 

Nasarov: Der krieg musste sein und finnland ist schuld

 

 

Der Autor Nasarov meint: Die Sowjetunion hatte von Finnland gefordert, dass sie die Grenze weiter von Leningrad entfernte und dass sie ihr eine Insel überliess, die als Stützpunkt hätte dienen können. Als aber die Finnen diese Bitte ablehnten, stand die Sowjetunion vor einer Wahl. Sie hätte alles so belassen können, wie es war, oder sie hätte einen Krieg beginnen können.

 

Also so zu belassen, wie es war und keine Gebietsabtauschung vorzunehmen - das wäre eine sehr schlechte Lösung gewesen. Finnland militärisch anzugreifen, war ebenfalls eine schlechte Lösung gewesen - aber nur eine schlechte und nicht eine sehr schlechte Lösung.

 

Und so wählte Stalin, meint der Autor Nasarov, unter zwei Übel (dem Nichtstun und dem Krieg) das kleinere: den Krieg.

 

 

Stalin wollte, so meint der Autor, die Krieg lange Zeit verhindern. Es gab, so betont der Autor weiter, in damaligen Finnland jedoch in der politischen und militärischen Elite  genug Leute, die mit dem Dritten Reich sympathisierten. Und so gab es für Stalin keine Wahl: Der Krieg musste sein.

 

Dafür aber, dass Stalin keine Wahl blieb, trugen diese Sympathisanten für das Dritte Reich die Schuld. Indem sie die Verhandlungen mit Finnland torpedierten und damit einen Gebiets-abtausch verhinderten, waren sie am Winterkrieg schuld.

 

 

Quelle: Oleg Nasarow. Was Stalin zum Krieg gegen Finnland bewegte.

 

 

 

 

Übrigens:

 

Nasarov folgt  fast lehrbuchmässig den ersten beiden der 10 Regeln zur Kriegspropaganda. 

 

Gemäss diesen Regeln wird (1) ein Krieg immer so dargestellt, dass das angreifende Land diesen Krieg nicht gewollt hat  - und (2)  wird es so dargestellt , dass das angegriffene Land dem Angreifer den Krieg aufgezwungen hat.

 

 

 

 

 

 

 

ging es wirklich nur um leningrad?

 

 

Stalin, Putin und auch Nasarov liegen auf der gleichen Argumentationslinie:

 

 

Die Sowjetunion wünschte ihr eigenes Gebiet vor Leningrad. Dort hätte sie ihre Armee aufzustellen und Leningrad bei Bedarf beschützen können. Dieses Gebiet hat sie von Finnland nicht erhalten, und das hat die Sowjetunion dazu bewogen, zu militärischen Mitteln zu greifen.

 

Und so kam es, folgt man Stalin, Putin und Nasarov, zum Winterkrieg.

 

 

 

Ging es wirklich nur um Leningrad?

 

 

Wenn es wirklich nur um den Schutz von Leningrad gegangen wäre, hätte das Ziel des Winterkrieges darin bestehen müssen, das gewünschte Gebiet um Leningrad mit Waffengewalt zu erobern und es zu besetzen.

 

Das geschah auch. Nur griff die Sowjetunion nicht nur das Gebiet vor Leningrad an. Angriffe der sowjetischen Armee erfolgten entlang der ganzen Grenze zwischen Finnland und der Sowjetunion, und zwar bis hoch in den Norden - und dies in der Absicht, ganz Finnland zu besetzen.

 

Damit wurden Gebiete angegriffen, die sehr, sehr weit von Leningrad entfernt sind. Man kann sich nicht so recht vorstellen, wie sie dem direkten Schutz von Leningrad dienen sollen.

 

Und so fällt es auch schwer zu glauben, dass es beim Winterkrieg nur darum gegangen ist, Leningrad zu beschützen.

 

 

Dass es vielleicht doch nicht nur um einen Gebietsabtausch und um den Schutz von Leningrad gegangen ist, wird auch deutlich, wenn man einen Blick auf die Regierung Kuusinen wirft: Doe Sowjetunion griff Finnland nicht nur an, sondern errichtete dort eine Marionettenregierung.