planungsfehler der sowjetunion

 

 

Die Planung durch die sowjetische Armeeführung erfolgte sehr unzulänglich. Es wurden verschiedene Planungsfehler begangen.

 

 

I.

Aufklärung: Die sowjetischen Offiziere wussten zu wenig über Finnland

 

Die sowjetischen Offiziere wussten offensichtlich sehr wenig darüber, was sie bei einem Angriff auf Finnland erwarten würde. Besonders über die Verteidigungsstellungen der finnischen Armee waren sie nur unzulänglich im Bilde.

 

Stalin schob die Schuld dafür den Nachrichtendiensten in die Schuhe: Sie haben es unterlassen, die entsprechenden Informationen über den Feind zu beschaffen.

 

Damit machte es sich Stalin zu einfach: Aus den Äusserungen der zuständigen Offiziere geht jedenfalls hervor, dass die Aufklärung sehr wohl über wichtige Informationen verfügte  - nur scheinen diese Informationen nicht bei den Offizieren angelangt zu sein.

 

 

II.

Planungsfehler: Wegnetz

 

Bei ihrer Planung war die sowjetische Armee davon ausgegangen, dass sie ihre Waffen, ihre Munition, ihre Verpflegung und auch ihre Soldaten auf den Strassen und Wegen würde transportieren können, die durch die finnischen Wäldern führen. Damit beging sie einen ersten Planungsfehler. Das Strassen- und Wegnetz war eingeschränkt. Manche Wege waren so eng, dass auf ihnen keine Lastwagen und Tanks fahren konnten. Das führte zu enormen logistischen Problemen:  Die Versorgung mit Nahrungsmitteln und mit Munition klappte nicht. Lastwagen und Panzer konnten sich nicht dorthin bewegen, wo sie benötigt wurden.

 

Weil die sowjetisch Armee auf das Strassen- und Wegnetz in den finnischen Wäldern angewiesen waren, wurden ihre Bewegungen für die finnische Armee vorhersagbar: Sie konnte sich ausrechnen, über welche Strassen und Wege sich die sowjetische Armee bewegen würde  - und darauf konnte sie reagieren, indem sie diese Wege und Strassen blockierte.

 

 

 

 

III.

Planungsfehler: Transport durch weglose Gebiete

 

 

Ein weiterer Planungsfehler kam hinzu: Es genügte nicht, sich auf die Wege und Strassen zu verlassen. Die Nahrungsmittel, die Munition und auch die kämpfenden Truppen mussten oft in den Wäldern an Orte gebracht werden, zu denen weder Strassen noch Wege führten. Doch es fehlte der sowjetischen Armee an zweckmässigem Gerät, mit denen sie diese Nahrungsmittel, Munition und Soldaten auch über wegloses Gebiet transportieren konnte - es fehlte an Schlitten, die man auch in weglosen Gebieten hätten gebraucht werden können.

 

 

 

IV.

Planungsfehler: Umgang mit der Kälte

 

Erschwert wurde diese Ausgangslage durch einen anderen Planungsfehler: Die Mehrheit der sowjetischen Soldaten war auf die bittere Kälte schlecht vorbereitet. Sie  waren zu wenig darüber informiert worden, wie man sich in der Kälte zu verhalten hat.

 

Die Soldaten trugen mehrheitlich die Herbstuniformen der sowjetischen Armee. Diese Uniformen und auch die dazu gehörenden Schuhe eigneten sich nicht für einen längeren Aufenthalt in der Kälte.

 

Warum stattete die sowjetische Führung die Soldaten nicht mit geeigneten Schulen und Kleidern aus?

 

Es ist schwierig, auf diese Frage eine Antwort zu finden.  Manche Leute gehen davon aus, dass die Soldaten deshalb mit wenig geeigneten Kleidern und Schuhen ausgerüstet wurden, weil die Führung davon ausging, dass der Krieg 10 bis 14 Tage dauern würde.

 

 

Nur: bereits 10 bis 14 Tage sind eine viel zu lange Zeit, wenn man sich mit ungeeigneter Kleidung und ungeeignetem Schuhwerk in den kalten Wältern Finnlands aufhalten muss.

 

 

 

V.

Planungsfehler auf der politischen Ebene

 

 

Stalin glaubte deutliche Hinweise darauf zu haben, dass sich bei einem Krieg das finnische geknechtete Arbeitervolk gegen die 'Banditen' (wie dies in der Sowjetunion genannt wurde) der herrschenden finnischen Klasse erheben würde. Und weil er dies glaubte, war ihm auch klar, wie die sowjetische Armee in Finnland empfangen würde: Mit Jubelgesängen und mit Blumen.

 

Da hatte Stalin allerdings die Stimmung in der Bevölkerung total falsch eingeschätzt. Eine Revolution, in der die finnische Arbeiterklasse die sie knechtende Klasse zum Teufel jagte, fand nicht statt. Und statt der erwarteten Jubelschreie der befreiten finnischen Bevölkerung erwartete die sowjetische Armee Schüsse und Granaten der finnischen Soldaten.

 

Warum aber hat Stalin die Stimmung in der Bevölkerung dermassen falsch eingeschätzt?

 

Mit ein Rolle gespielt haben dürfte ein etwas merkwürdiger Umgang mit der Geheimdienstarbeit: Wie der Autor Kimmo Rentola berichtet, wurde sowjetische Geheimdienste erst drei Wochen vor dem Winterkrieg in Finnland selber aktiv. Und dass die Geheimdienstleute ziemlich unerfahren waren (Rentola bezeichnet einen dieser Leute als ausgesprochenes Greenhorn), machte die Sache auch nicht besser: Jedenfalls war es ihnen nicht möglich, sich in drei Wochen in Finnland so zu vernetzen, dass sie realistische Informationen über die Stimmung im Land erhielten.

 

Nur: Stalin wollte hören, dass in Finnland eine Revolution bevorstand, und so lieferten ihm die Untergebenen genau das, was er hören wollte: Lauter Informationen, die tatsächlich auf eine solche Revolution hinwiesen...