WINTERKRIEG: DER VERLAUF

 

 

 

 

 

 

angriff

 

 

 

 

DIE SOWJETUNION GREIFT AN

 

 

Die Sowjetunion provozierte einen Grenzzwischenfall: Sie beschoss ein eigenes Dorf und schob Finnland die Schuld dafür in die Schuhe.

 

Die diplomatischen Beziehungen mit Finnland wurden abgebrochen.

 

Erste Schüsse auf Finnland fielen ab dem 26. November. Ohne Kriegserklärung marschierten am 30. November 1939 sowjetische Truppen in Finnland ein.

 

Um 13.30 teilte die finnische Regierung der Bevölkerung mit, dass sich Finnland im Krieg befand.

 

Der Winterkrieg hatte begonnen.

 

 

 

 

 

erste phase: 'BLITZKRIEG' - die sowjetunion scheitert

 

 

NOVEMBER UND DEZEMBER 1939

 

 

Die Strategie der Sowjetunion sieht einen schnell durchgeführten Angriff und damit gewissermassen einen Blitzkrieg vor. Die Sowjetunion rechnet nicht mit einem starken Widerstand der finnischen Armee. Sie geht davon aus, dass sich die unterdrückte finnische Arbeiterschaft gegen die 'herrschende Klasse' in Finnland erheben und die sowjetischen Soldaten als Befreier bejubeln wird.

 

Nur wenige Tage nach Kriegsbeginn errichtet die Sowjetunion in Finnland eine Marionettenregiertung  - die Regierung Kuusinen. Für die Sowjetunion ist sie die Regierung, an die sie sich künftig wendet und mit der sie verhandelt. Die offizielle Regierung in Finnland ist für die Sowjetunion kein Ansprechpartner mehr.

 

 

Die ersten Angriffe der Sowjetunion sind erfolgreich. Da und dort bricht unter den finnischen Soldaten Panik aus. Bald einmal aber geraten die Angriffe ins Stocken. Die finnische Armee erkennt, dass sie sich gegen die scheinbar übermächtige sowjetische Armee wehren kann.

 

Dass die sowjetische Armee Probleme hat, kommt nicht von ungefähr. Die Heeresleitung hat verschiedene Planungsfehler begangen, und diese machen sich nun bemerkbar.

 

 

Stalin muss einsehen, dass das Ziel eines schnellen und erfolgreichen Angriffes nicht erreicht werden kann. Der Krieg würde nicht in zwei, drei Wochen vorbei sein. Die sowjetische Armee würde nicht in Helsinki einmarschieren. Und sie würde auch nicht, wie dies geplant war, Ende Dezember in Oulu den Geburtstag von Stalin feiern können.

 

 

 

zweite phase: ZERMÜRBUNGSKRIEG

 

 

DIE SOWJETISCHE ARMEE PLANT NEU: JANUAR 1940

 

Der Oberbefehlshaber der sowjetischen Armee wird ersetzt. Der Nachfolger plant einen neuen Angriff. Während dieser Planungsphase finden keine ernsthaften Angriffe der sowjetischen Armee statt. Die sowjetische Armee aber wird intensiv auf die kommenden Angriffe vorbereitet.

 

 

Die sowjetische Armee soll in dieser zweiten Phase keinen schnellen Krieg mehr führen, der zu einem sofortigen Durchbruch durch die finnischen Verteidigungsstellen führt.

 

Stattdessen soll die finnische Armee angegriffen werden, bis sie erschöpft und ausgeblutet ist:  Es  geht darum, die ausrüstungsmässige und personelle Überlegenheit der sowjetischen Armee so lange auszunutzen, bis die finnische Armee keine Ressourcen mehr hat.

 

 

Um dieses Ziel zu erreichen, setzt der neue Oberbefehlshaber der sowjetischen Armee auf die Artillerie.

 

Er überzieht die finnische Armee denn auch mit einem pausenlosen Granatenhagel. Die Menge der Granaten ist fast unglaublich: Während eines sechsstündigen Angriffs der Sowjetunion beispielsweise gehen 200'000 Granaten auf die finnischen Soldaten nieder.

 

 

Das Ziel der sowjetischen Armee wird erreicht. Am 11. Februar durchbricht sie die Hauptverteidigungslinie von Finnland - die Mannerheim-Linie.  Anfangs März sind die Munitionsvorräte der finnischen Armee erschöpft: Sie reichen nur noch für knapp 4 Tage.

 

Die Lage wird für Finnland kritisch. Friedensverhandlungen beginnen.

 

 

 

 

 

friedensschluss

 

 

 

Beide Parteien haben Interesse an einem Frieden:

 

 

Finnland  läuft Gefahr, von der sowjetischen Armee überrollt zu werden.

 

Stalin befürchtet  einen Prestigeverlust, wenn es ihm nicht in absehbarer Zeit gelingt, den Krieg gegen das kleine Finnland erfolgreich zu beenden.

 

Zudem befürchtet Stalin, dass sich andere Länder ins Kriegsgeschehen einmischen und Finnland massiv mit Waffen und Soldaten unterstützen würden. Das will er um jeden Preis verhindern.

 

 

Finnland muss Gebiete an die Sowjetunion abtreten. Es bewahrt aber seine Eigenständigkeit.

 

 

 

 

 

 

 

WINTERKRIEG: DIE FOLGEN

 

 

 

 

 

die folgen für die sowjetunion

 

 

 

 

 

 

 

 

die zahl gefallener sowjetischer soldaten

 

 

 

 

 

Der Winterkrieg wurde für die Sowjetunion zu einem Desaster.

 

Ein sowjetischer Offizier sagten nach den Winterkrieg:

 

„Die Tatsache, dass im folgenden Frühjahr und Sommer, als der Schnee zu schmelzen begann, viele Leichen unserer Soldaten aus den Sümpfen und Seen geborgen wurden, ist nicht in den offiziellen Kriegsberichten erwähnt. Die Überlebenden pflegten scherzhaft zu sagen, dass das Land, das wir den Finnen nahmen, gerade ausreichte, um unsere während des Feldzugs gefallenen Offiziere und Soldaten zu begraben.“

Quelle hier, siehe auch Soile Varis, Talvisota
Es gelang der finnischen Armee nicht immer, alle gefallenen sowjetischen Soldaten würdig zu bestatten. Tote sowjetische Soldaten fanden zuweilen nicht in einem Grab ihre letzte Ruhestätte, sondern wurden auf den gefrorenen Seen und Sümpfen abgelegt. Als das Tauwetter einsetzte, versanken die Leichen in den Sümpfen und Seen.

 

Unklar ist die Zahl der Opfer, die der Winterkrieg auf der Seite der sowjetischen Armee gefordert hat. Die Angaben gehen deutlich auseinander. Manchmal spricht man von 200'000 Opfern, von 400'000 Opfern oder gar von einer Million toter sowjetischer Soldaten - wobei die letzte Zahl von Chruschtschow in seinen Memoiren genannt wird, ohne dass dieser einen Beleg für seine Angaben liefert.
Doch auch wenn keine verlässlichen Zahlen vorliegen (und vermutlich auch nie vorliegen werden): Sicher ist, dass die Verluste auf sowjetischer Seite ungeleich grösser waren auf der finnischen Seite.

 

 

 

 

ein verschwiegener krieg

 

 

Der Winterkrieg stellt in der Geschichte der ehemaligen Sowjetunion eines der beschämendsten Ereignisse dar. Seine Bedeutung wurde deshalb lange heruntergespielt. In dern Geschichtsbüchern der ehemaligen Sowjetunion wurde er kaum erwähnt. Und wenn es unumgänglich war ihn zu erwähnen,  vermied man den  Ausdruck 'Winterkrieg'.

 

 

Die Schwächen der sowjetischen Armee waren so gross, dass Stalin darauf drängte, sie in einer Gruppe von verantwortlichen Offiziern zu besprechen. Ziel war es, Vorschläge zu unterbreiten, wie sich der Zustand der sowjetischen Armee verbessern liess.

 

Und natürlich war es auch da Ziel von Stalin zu zeigen, dass ihn am Desaster keine Schuld trifft.

 

 

 

 

die folgen für finnland

 

 

In Finnland ist man unmittelbar nach dem Friedensschluss bitter enttäuscht, weil grosse Gebiete an die Sowjetunion abgetreten werden müssen. Besonders schlimm für manche Soldaten ist die Tatsache, dass auch Gebiete abgegeben werden müssen, die die sowjetische Armee nie erobert hat.

 

Das sieht man bei einem Tagebuch, das ein finnischer Offizier verfasst hat. Er hat eben erfahren, welche Bedingungen Finnland aufgrund des Friedensvertrags mit der Sowjetunion erfüllen muss. Mit seinem Ärger hält er nicht hinter dem Berg:

 

 

Finnland und Russland haben Frieden geschlossen. Das ganze Gebiet von Viipuri gehört den Russen. Das ist der beschämendste Frieden, der je vom Land geschlossen worden ist. Warum haben wir einen solchen Frieden geschlossen? Es wäre viel besser gewesen zu fallen,  bevor uns eine solche Schande angetan wird.

 

Kriegstagebuch von Terhu Jantunen, 13. März 1940

 

 

 

 

Im Laufe der Jahre erscheint der Winterkrieg in Finnland in einem positiven Licht: Der Winterkieg hat das vorher politisch sehr zerstrittene Finnland geeint. Es ist Finnland zudem gelungen, sich gegen einen scheinbar übermächtigen Feind zu verteidigen.

 

 

Der Winterkrieg wird damit zum bedeutendsten Ereignis in der finnischen Geschichte.

 

Der Winterkrieg wirkt auch heute noch nach. Man sagt, dass man sich in Finnland immer dann an ihn erinnert, wenn es dem Land nicht gut geht: Wenn Finnland fähig gewesen ist, sich erfolgreich im Winterkrieg gegen die Sowjetunion zu wehren, ist es auch fähig, allen Arten von Schwierigkeiten erfolgreich zu begegnen.

 

 

 

es ist  noch  nicht zu ende: fortsetzungskrieg

 

 

In den Wochen und Monaten nach dem Winterkrieg  geht man in Finnland davon aus, dass es zu einem erneuten Angriff der Sowjetunion kommen wird. Dementsprechend spricht man nicht von einem Frieden, sondern von einem Zwischenfrieden (välirauha).

 

1941 beginnt in der Tat ein neuer Krieg: der Fortsetzungskrieg. Dieser Krieg geht von Finnland aus. Es will Gebiete zurückerobern, die es an die Sowjetunion abtreten musste.

 

Bis ins Jahr 1944 erfolgen verschiedene Angriffe der Sowjetunion; mit Unterstützung der deutschen Armee gelingt es Finnland, seine Souveränität zu bewahren.

 

 

Auf den Fortsetzungskrieg folgt der Lapplandkrieg: Finnland muss auf den Befehl von Stalin die deutsche Armee aus dem Land vertreiben. Lappland wird praktisch vollständig zerstört.

 

die folgen für deutschland

 

 

Die deutsche Armeespitze war über die Schwächen der sowjetischen Armee sehr gut informiert.

 

Die Schwächen der sowjetischen Armee bestärkten Hitler in der Auffassung, dass die Sowjetunion bei einem deutschen Angriff keinen ernsthaften militärischen Widerstand würde leisten können.

 

Damit wurde Hitler auch in der Auffassung bestärkt, dass die deutsche Armee die Sowjetunion problemlos würde erobern können.

 

 

 

die folgen für die usa

 

Die USA verfolgte das Geschehen im Winterkrieg  sehr aufmerksam. Man war sich in den USA bewusst, dass aus diesem Krieg wichtige Lehren gezogen werden müssen. Ein allfälliger Krieg gegen die Sowjetunion würde zwangsläufig ein Krieg sein, der unter arktischen Bedingungen geführt werden müsste  - und auf diese Bedingungen galt es sich einzustellen.

 

Es ist deshalb kein Zufall, dass bis zur heutigen Zeit Publikation erscheinen, die sich mit dem Winterkrieg beschäftigen.