WINTERKRIEG: DIE FOLGEN

 

 

 

 

 

 

die folgen für die sowjetunion

 

 

 

 

 

 

 

die zahl gefallener sowjetischer soldaten

 

 

 

Der Winterkrieg wurde für die Sowjetunion zu einem Desaster.

 

Ein sowjetischer Offizier sagte nach den Winterkrieg:

 

„Die Tatsache, dass im folgenden Frühjahr und Sommer, als der Schnee zu schmelzen begann, viele Leichen unserer Soldaten aus den Sümpfen und Seen geborgen wurden, ist nicht in den offiziellen Kriegsberichten erwähnt. Die Überlebenden pflegten scherzhaft zu sagen, dass das Land, das wir den Finnen nahmen, gerade ausreichte, um unsere während des Feldzugs gefallenen Offiziere und Soldaten zu begraben.“

Quelle hier, siehe auch Soile Varis, Talvisota
Es gelang der finnischen Armee nicht immer, alle gefallenen sowjetischen Soldaten würdig zu bestatten. Tote sowjetische Soldaten fanden zuweilen nicht in einem Grab ihre letzte Ruhestätte, sondern wurden auf den gefrorenen Seen und Sümpfen abgelegt. Als das Tauwetter einsetzte, versanken die Leichen in den Sümpfen und Seen.

 

Unklar ist die Zahl der Opfer, die der Winterkrieg auf der Seite der sowjetischen Armee gefordert hat. Die Angaben gehen auseinander. Manchmal spricht man von 200'000, manchmal 400'000 und manchmal gar von einer Million toter sowjetischer Soldaten - wobei die letzte Zahl von Chruschtschow in seinen Memoiren genannt wird, ohne dass dieser einen Beleg für seine Angaben liefert.
Doch auch wenn keine verlässlichen Zahlen vorliegen (und vermutlich auch nie vorliegen werden): Sicher ist, dass die Verluste auf sowjetischer Seite ungeleich grösser waren auf der finnischen Seite.

 

 

 

 

Was lernte die sowjetische Führung aus dem winterkrieg?

 

 

 

Der Winterkrieg stellt in der Geschichte der ehemaligen Sowjetunion eines der beschämendsten Ereignisse dar. Seine Bedeutung wurde deshalb lange heruntergespielt. In den Geschichtsbüchern der ehemaligen Sowjetunion wurde er kaum erwähnt. Und wenn es unumgänglich war ihn zu erwähnen,  vermied man den  Ausdruck 'Winterkrieg'.

 

 

Die Schwächen der sowjetischen Armee waren so gross, dass Stalin darauf drängte, sie in einer Gruppe von verantwortlichen Offiziern zu besprechen. Ziel war es, Vorschläge zu unterbreiten, wie sich der Zustand der sowjetischen Armee verbessern liess.

 

Und natürlich war es auch da Ziel von Stalin zu zeigen, dass ihn am Desaster keine Schuld traf.

 

 

 

 

 

wenn die sowjetunion finnland erobert hätte...

Finnland wurde nicht erobert, weil sich stalin irrte

 

 

Im März 1940 war Finnland militärisch am Ende. An verschiedenen Stellen durchbrach die sowjetische Armee die finnische Verteidigungslinie. Ernsthaften Widerstand  konnte die finnische Armee nicht mehr leisten. Dazu fehlten ihr die Ressourcen: Die finnische Armee hatte praktisch keine Munition mehr.

 

Die sowjetische Armee wäre zu diesem Zeitpunkt in der Lage gewesen, ganz Finnland zu erobern. Dass sie es nicht tat, geht letztlich auf  Stalin zurück.  Er befüchtete, dass andere westliche Länder Finnland militärisch unterstützen und sich gemeinsam gegen die Sowjetunion wenden würde.

 

Hier irrte sich Stalin allerdings.

 

 

 

Es ging auch im Nickel

 

Was aber wäre passiert, wenn sich Stalin nicht geirrt hätte? Was wäre passiert, wenn die sowjetischen Truppen weitermarschiert wären und ganz Finnland besetzt hätten?

 

Das weiss man natürlich nicht. Eine Folge aber wäre eingetreten - und diese hätte vermutlich massive Auswirkungen auf den Zweiten Weltkrieg gehabt.

 

Die Rede ist von Nickel.

 

 

Im Gebiet von Petsamo und damit im Norden von Finnland gibt es Nickel. Zur Zeit, als der Winterkrieg begann, waren bereits Gruben vorhanden, aus denen Nickel gewonnen wurde.

 

Wer einen Krieg führt, braucht dazu auch Nickel. Es wird benötigt, wenn man Waffen, Fahrzeuge und anderes Kriegsmaterial herstellen will.

 

Da Finnland im Winterkrieg nicht erobert wurde, blieb die Nickelproduktion in finnischer Hand. Und da sich Finnland nach dem Winterkrieg mit Deutschland verbündete, war klar, dass dieser Nickel auch der deutschen Armee zur Vefügung stand.

 

Deutschland brauchte diesen Nickel dringend, um seine Kriegsmaschinerie aufrecht erhalten zu können  -und ganz besonders dringend brauchte es später Nickel aus Finnland, weil es nicht mehr auf die Gruben von Frankreich zurückgreifen konnte: Frankreich hatte diese Gruben zerstört.

 

Was aber wäre geschehen, wenn die Sowjetunion Finnland erobert hätte?

 

Ganz gewiss hätte Deutschland keinen Zugang mehr zu den Nickelfeldern von Petsamo gehabt. Die dringend erforderliche Produktion von Waffen und anderem Kriegsmaterial wäre empfindlich gestört worden.

 

Es gibt Autoren, die davon ausgehen, dass in diesem Falle der Weltkrieg deutlich verkürzt worden wäre: Die deutsche Armee hätte eine entscheidende Schwächung hinnehmen müssen und wäre militärisch bald einmal am Ende gewesen.

 

Ob dem so ist, weiss man nicht. Die Nickelfelder von Petsamo machen aber darauf aufmerksam, dass man gut daran tut, die Wichtigkeit des Winterkrieges nicht zu unterschätzen: Er war keine Randnotiz des Weltkrieges, sondern ein Geschehen, das vermutlich ziemlich drastische Auswirkungen auf den Gang des Zweiten Weltkrieges gehabt hat.

 

 

 

 

 

die folgen für finnland

 

 

 

unmittelbar nach dem winterkrieg

 

 

 

In Finnland ist man unmittelbar nach dem Friedensschluss bitter enttäuscht, weil grosse Gebiete an die Sowjetunion abgetreten werden müssen. Besonders schlimm für manche Soldaten ist die Tatsache, dass auch Gebiete abgegeben werden müssen, die die sowjetische Armee nie erobert hat.

 

Finnland musste rund 10% seines Gebietes an die Sowjetunion abtreten  - eine Karte mit den abgegebenen Gebieten finden Sie hier.

 

 

Das sieht man bei einem Tagebuch, das ein finnischer Offizier verfasst hat. Er hat eben erfahren, welche Bedingungen Finnland aufgrund des Friedensvertrags mit der Sowjetunion erfüllen muss. Mit seinem Ärger hält er nicht hinter dem Berg:

 

 

Finnland und Russland haben Frieden geschlossen. Das ganze Gebiet von Viipuri gehört den Russen. Das ist der beschämendste Frieden, der je vom Land geschlossen worden ist. Warum haben wir einen solchen Frieden geschlossen? Es wäre viel besser gewesen zu fallen,  bevor uns eine solche Schande angetan wird.

 

Kriegstagebuch von Terhu Jantunen, 13. März 1940

 

 

 

 

der winterkrieg: das bedeutenDste ereignis iN der geschichte finnlands

 

In Finnland ist man unmittelbar nach dem Friedensschluss bitter enttäuscht, weil grosse Gebiete an die Sowjetunion abgetreten werden müssen. Besonders schlimm für manche Soldaten ist die Tatsache, dass auch Gebiete abgegeben werden müssen, die die sowjetische Armee nie erobert hat.

 

Das sieht man bei einem Tagebuch, das ein finnischer Offizier verfasst hat. Er hat eben erfahren, welche Bedingungen Finnland aufgrund des Friedensvertrags mit der Sowjetunion erfüllen muss. Mit seinem Ärger hält er nicht hinter dem Berg:

 

 

Finnland und Russland haben Frieden geschlossen. Das ganze Gebiet von Viipuri gehört den Russen. Das ist der beschämendste Frieden, der je vom Land geschlossen worden ist. Warum haben wir einen solchen Frieden geschlossen? Es wäre viel besser gewesen zu fallen,  bevor uns eine solche Schande angetan wird.

 

Kriegstagebuch von Terhu Jantunen, 13. März 1940

 

 

 

 

Im Laufe der Jahre erscheint der Winterkrieg in Finnland in einem positiven Licht: Der Winterkieg hat das vorher politisch sehr zerstrittene Finnland geeint. Es ist Finnland zudem gelungen, sich gegen einen scheinbar übermächtigen Feind zu verteidigen.

 

Der Winterkrieg wird zum bedeutendsten Ereignis in der finnischen Geschichte.

 

Der Winterkrieg wirkt auch heute noch nach. Man sagt, dass man sich in Finnland immer dann an ihn erinnert, wenn es dem Land nicht gut geht: Wenn Finnland fähig gewesen ist, sich erfolgreich im Winterkrieg gegen die Sowjetunion zu wehren, ist es auch fähig, allen Arten von Schwierigkeiten erfolgreich zu begegnen.

 

 

 

In den Wochen und Monaten nach dem Winterkrieg  geht man in Finnland davon aus, dass es zu einem erneuten Angriff der Sowjetunion kommen wird. Dementsprechend spricht man nicht von einem Frieden, sondern von einem Zwischenfrieden (välirauha).

 

1941 beginnt in der Tat ein neuer Krieg: der Fortsetzungskrieg. Bis ins Jahr 1944 erfolgen verschiedene Angriffe der Sowjetunion; mit Unterstützung der deutschen Armee gelingt es Finnland, seine Souveränität zu bewahren.

 

Auf den Fortsetzungskrieg folgt der Lapplandkrieg: Finnland muss auf den Befehl von Stalin die deutsche Armee aus dem Land vertreiben. Lappland wird praktisch vollständig zerstört.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

es ist noch nicht zu ende: Fortsetzungskrieg und lapplandkrieg

 

 

In den Wochen und Monaten nach dem Winterkrieg  geht man in Finnland davon aus, dass es zu einem erneuten Angriff der Sowjetunion kommen wird. Dementsprechend spricht man nicht von einem Frieden, sondern von einem Zwischenfrieden (välirauha).

 

1941 beginnt in der Tat ein neuer Krieg: der Fortsetzungskrieg. Bis ins Jahr 1944 erfolgen verschiedene Angriffe der Sowjetunion; mit Unterstützung der deutschen Armee gelingt es Finnland, seine Souveränität zu bewahren.

 

Auf den Fortsetzungskrieg folgt der Lapplandkrieg: Finnland muss auf den Befehl von Stalin die deutsche Armee aus dem Land vertreiben. Lappland wird praktisch vollständig zerstört.

 

 

 

 

die folgen für deutschland

 

 

 

Die deutsche Armeespitze war über die Schwächen der sowjetischen Armee sehr gut informiert.

 

Die Schwächen der sowjetischen Armee bestärkten Hitler in der Auffassung, dass die Sowjetunion bei einem deutschen Angriff keinen ernsthaften militärischen Widerstand würde leisten können.

 

Damit wurde Hitler auch in der Auffassung bestärkt, dass die deutsche Armee die Sowjetunion problemlos würde erobern können.

 

 

 

die folgen für die usa

 

 

 

Die deutsche Armeespitze war über die Schwächen der sowjetischen Armee sehr gut informiert.

 

Die Schwächen der sowjetischen Armee bestärkten Hitler in der Auffassung, dass die Sowjetunion bei einem deutschen Angriff keinen ernsthaften militärischen Widerstand würde leisten können.

 

Damit wurde Hitler auch in der Auffassung bestärkt, dass die deutsche Armee die Sowjetunion problemlos würde erobern können.

 

Die USA verfolgte das Geschehen im Winterkrieg  sehr aufmerksam. Man war sich in den USA bewusst, dass aus diesem Krieg wichtige Lehren gezogen werden müssen. Ein allfälliger Krieg gegen die Sowjetunion würde zwangsläufig ein Krieg sein, der unter arktischen Bedingungen geführt werden müsste  - und auf diese Bedingungen galt es sich einzustellen.

 

Es ist deshalb kein Zufall, dass verschiedene Publikation erschienen sind, die sich mit dem Winterkrieg beschäftigen.

 

Eine von ihnen trägt zum Beispiel den den Titel 'Fighting the Russians in Winter' trägt - ein Aufsatz, der unter anderem aufzeigt, welche Einsichten aus dem Winterkrieg abgeleitet werden können.