leben und sterben im winterkrieg

 

 

 

 

das tagebuch eines finnischen soldaten

 

 

Manche Soldaten und Offiziere führten Tagebücher. Sie berichteten dort von Ihren Ängsten, ihrer Wut auf den Feind und oft auch von dem Gefühl, der hoffnungslos überlegenen sowjetischen Armee ausgeliefert zu sein.

 

Eines dieser Tagebücher ist ins Deutsche übersetzt worden:

 

 

das tagebuch eines finnischen soldaten

 

 

 

Diese Tage, an denen gekämpft wurde, haben uns ein gutes Bild vom gegenwärtigen Krieg gegeben. Von  unzähligen karelischen Häusern stehen nur noch Ruinen. Die ersten Kameraden sind  gefallen, und die Russen erlitten große Verluste.

 

Das alles zeigt, was der Krieg ist. Er ist anders, als ich es mir vorgestellt habe. Er ist eine brutale, mitleidlose Zerstörung der Menschheit. Diese Tage erwecken in uns einen bitteren Hass den Russen gegenüber!

 

Tagebucheintrag des finnischen Soldaten Väinö vom 4. Dezember 1939; der Soldat starb zwei Tage vor Kriegsende.

 

 

Der finnische Soldat Väinö hat im Winterkrieg ein Tagebuch geführt. Das Tagebuch ist in deutscher Sprache verfügbar.

 

 

 

 

Auszüge aus dem Tagebuch sind, zusammen mit Erläuterungen von H P Weiss, 2017 als Ebook erschienen.

 

81 Seiten,  2.99 €   ISBN: 978-3-7427-9556-4  Übertragung ins Deutsche: H P Weiss

 

 

 

 

der heldentod

 

Im Winterkrieg sind über 25'000 finnische Soldaten und Offiziere ums Leben gekommen.

 

 

Als der Winterkrieg begann, wurden gefallene finnische Soldaten und Offiziere auf dem Feld begraben  - dort also, wo sie ums Leben gekomnmen waren.

 

Wie der Kriegsveteran Joukko Eino berichtet, gab es Kameraden der Verstorbenen, die die sterblichen Überreste der gefallenenen Soldaten bargen und zum Teil auch versteckten. Die Kameraden waren der Meinung, dass die Verstorbenen später zurückgebracht und  in der geweihten Erde auf dem Friedhof ihres Dorfes begraben werden sollten.

 

Aufklärungsoffiziere informierten den  Oberbefehlshaber Mannerheim über das Vorgehen der Soldaten. Mannerheim reagierte rasch. Er korrigierte den vorhergehenden Befehl, nach welchem die Toten auf dem Feld bestattet werden mussten. Künftig sollten die gefallenen Soldaten in ihr Heimatdorf überführt und dort ihre letzte Ruhe finden.

 

Mannerheim griff damit auf eine Praxis zurück, das sich während des Bürgerkriegs in Finnland im Jahre 1918 herausgebildet hatte: Schon damals waren die Gefallenen in ihre Dörfer zurückgebracht worden.

 

Das geschah auch jezt wieder. Verantwortlich dafür, dass die Gefallenen überführt würden, waren Militärgeistliche.

 

Zu Beginn des Krieges gab es pro Regiment jeweils nur einen Pastor. Dies war zu wenig, um eine würdevolle Überführung in die Heimatdörfer zu ermöglichen. Deshalb wurden weitere Pastoren mit der Aufgabe betraut.

 

Unterstützt wurden sie von eigens dafür gebildeten Einheiten, denen dafür abkommandierte Soldaten und auch Lottas angehörten -  oft kaum 16 oder 17 Jahre alten  Frauen, die freiwillig die Armee im Winterkrieg unterstützten.

 

 

Finnland war das einzige Land, das seine Gefallenen nach Hause bringen und sie auf dem Heimatfriedhof begraben liess. Bestattet wurden die Gefallenen jeweils in einem separaten Teil des Friedhofs. Er war jenen Soldaten vorbehalten, die im Winterkrieg umgekommen waren und die, wie man damals sagte, auf dem Feld den Heldentod gestorben waren.

 

kriegstagebücher

 

 

 

 

Neben den privaten Tagebücher der Soldaten und Offizieren gibt es die offiziellen Tagebücher: die Tagebücher, die von einzelnen Truppenteilen verfasst worden sind. Die Zahl der Kriegstagebücher ist beachtlich: Das Staatsarchiv enthält allein für den Winterkrieg über 3000 Tagebücher.

 

 

 

Von den vielen Geschehnissen blieb in meinem Geist nur ein dunkles, traumähnliches Bild. Die Männer befanden sich an der äusserten Grenze der Erschöpfung. Sie wurden von einer vollständigen Betäubung beherrscht. In ihrem Bewusstsein waren keine andere Gedanken vorhanden als der Gedanke an das Essen und an den Schlaf.

 

 

Ein Soldat nach einer Schlacht im Winterkrieg

 

 

 

 

Die Tagebücher sind unterschiedlich gestaltet. Manche Tagebücher umfassen nur wenige Seiten. Umgekehrt gibt es auch Tagebücher mit mehr als 600 Seiten.

 

Die meisten Tagebücher sind in finnischer Sprache geschrieben worden. Es gibt aber auch Tagebücher auf Schwedisch -  dies deshalb, weil in einigen Gegenden von Finnland wird Schwedisch gesprochen wird. Ausserdem beteiligte sich ein schwedisches Freiwilligenkorps am Winterkrieg.

 

 

 

Es gibt nicht zuletzt auch  Kriegstagebücher, in denen sich deutschsprachige Seiten finden; so etwa bei einem Tagebuch eines finnischen Regiments -  ein Beleg dafür, wie eng die deutsche Armee mit der finnischen Armee im Fortsetzungskrieg zusammenarbeitete,

 

 

 

Geschrieben wurden die Tagebücher zum Teil mit der Schreibmaschine und zum Teil von Hand    - was zuweilen zu Problemen führt, wenn die entsprechende Handschrift fast unleserlich ist.

 

 

 

 

 

 

ein blick in ein kriegstagebuch

 

 

 

DER 13. MÄRZ 1940

 

 

 

WIE EIN KOMMANDANT DEN KRIEGSSCHLUSS ERLEBTE

 

 

Am 13. März 1940 tritt der Friedensvertrag zwischen der Sowjetunion und Finnland in Kraft.

 

An den Tagen vorher bemerkt der Kommandant nichts Ungewöhnliches. Auch die Wachen, die zur grösster  Aufmerksamkeit aufgerufen sind,  können von keinen besonderen Ereignissen berichten. Die Russen (so nannte die finnische Armee die sowjetische Soldaten) schiessen intensiv mit  ihren Kanonen. Dies jedoch ist überhaupt nicht ungewöhnlich. Die finnische Armee ist in den letzten Kriegswochen intensiv mit Artilleriefeuer belegt worden.

 

Dann hört der Kommandant im sowjetischen Radio, dass  zwischen der Sowjetunion und Finnland Frieden geschlossen werden soll. Der Kommandant hält nichts von dieser Information: Man kennt die Russen, sagt er: Diese haben in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass sie viel versprechen und wenig halten.

 

 

Am 13. März um 11 Uhr schweigen dann doch die Waffen. Es ist totenstill, stellt der Kommandant fest. Sein erster Eindruck ist, dass ein Wunder passiert ist.

 

Diesen Eindruck teilt er mit vielen anderen Soldaten und Offizieren. Auch ihnen kommt die Situation unwirklich vor. Zum ersten Mal seit vielen Wochen hören sie wieder Vögel singen.

 

Da und dort kommen finnische und sowjetische Soldaten miteinander ins Gespräch. Sie bieten einander Wodka an und schütteln sich sogar die Hände.

 

 

Die Freude über das Wunder währt allerdings nur kurz. Der Kommandant erfährt, welche Bedingungen die Sowjetunion an Finnland stellt. Diese Bedingungen sind für Finnland sehr schlimm: Finnland muss ungeheur viel Geld an die Sowjetunion überweisen und einen beachtlichen Teil seines Landes an die Sowjetunion abtreten.

 

Der Kommandant ist darüber sehr erbost. Er hält fest, dass es wohl besser ist, wenn er nicht im Tagebuch festhält, was im Innersten der Soldaten angesichts dieser Bedingungen vorgeht.

 

Er schliesst dann mit der Feststellung, dass nun aber Friede ist und dass das Tagebuch am seinem Ende angelangt ist.