der weisse tod: scharfschützen

 

 

 

Wenn es um den Winterkrieg und um die Kälte im Winterkrieg geht, wird oft vom Weissen Tod gesprochen  - vom valkoinen kuolema in der finnischen und vom belaja smert in der russischen Sprache.

 

Es ist ein Begriff, der drei verschiedene Bedeutungen besitzt. Häufig wird der Ausdruck Weisser Tod für einen finnischen Scharfschützen verwendet: Simo Häyhä.

 

 

 

 

DER SCHARFSCHÜTZE SIMON HÄYHÄ: DER WEISSE TOD

 

 

Sucht man auf finnischsprachigen Homepages nach dem Stichwort valkoinen kuolema und damit nach dem finnischen Ausdruck für den Weissen Tod, kommt man sofort zu einem Mann namens Simo Häyhä  (ausgesprochen Hä-ü-hä).

 

Simo Häyhä ist neben dem Oberbefehlshaber Marschall Mannerheim der berühmteste finnische Soldat im Winterkrieg.

 

 

Berühmt geworden ist Häyhä als Scharfschütze. Man sagt, dass er als Scharfschütze mehr als 500 sowjetische Offiziere und Soldaten erschossen hat.

 

Seine Gefährlichkeit sprach sich herum. Er wurde gefürchtet und von den sowjetische Soldaten und Offizieren als Weisser Tod  bezeichnet.

 

 

Sowjetische Scharfschützen versuchten ihrerseits, Simo Häyhä umzubringen. Das gelang nicht. Häyhä besass offensichtlich die Fähigkeit, sich fast unglaublich lange bewegungslos im Schnee zu verstecken und geduldig zu warten, bis sein Opfer auftauchte und er es mit einem gezielten Schuss töten konnte. 

 

Vor seinem Scharfschützengewehr platzierte  ein Häufchen Schnee, damit das Mündungsfeuer verborgen wurde. Deshalb konnten die sowjetischen Soldaten und Offiziere nicht erkennen, worher der Schuss gekommen war. Und um dies vollends möglich zu machen, nahm Häyhä oft Schnee in den Mund: Damit stiess er keine Atemwolken mehr aus, die ebenfalls zu seiner Entdeckung hätte führen können.

 

Nachdem er über 500 sowjetische Soldaten und Offiziere getötet hatte, wurde er dann eben doch entdeckt. Nun wurde er Opfer eines sowjetischen Schützen, der einen gezielten Schuss auf ihn abgab.

 

Der Schuss des sowjetischen Scharfschützen zerschmetterte den Kiefer von Häyhä. Er überlebte, sein Gesicht war jedoch entstellt und  er hatte sein Leben lang mit dem Essen Probleme: Er konnte sich meist nur von Pillen ernähren.

 

Seine Kollegen glaubten, er sei verstorben. In den Zeitungen erschien seine Todesanzeige, zusammen mit Angaben darüber, wann seine Beerdigung stattfinden würde. Häyhä musste der Zeitung entnehmen, dass er verstorben sei  - was er umgehend korrigierte.

 

 

Häyhä überlebte den Winterkrieg. Er starb im hohen Alter - ein kleiner, zurückhaltender Mann, der nach dem Bericht jener, die ihn kannten, eher schweigsam war und der in den zahlreichen Interviews, die er nach den Weltkrieg zu führen hatte, seine Worte bedachtsam wählte. Er sprach lieber mit den Tieren als mit den Menschen, sagte man von ihm.

 

 

Häyhä wurde tatsächlich in Finnland zu einer Berühmtheit. Es gibt heute ein kleines Museum, das an ihn erinnert. Urho Kekkonen, der damalige finnische Staatspräsident, lud ihn zur Jagd ein, was natürlich eine besondere Ehre darstellte. Gemeinsam erlegten sie einen Elch, wobei sich Häyhä standhaft weigerte zu sagen, ob der Schuss von Kekkonen oder sein Schuss den Elch getroffen hatte (Häyhä tat dies nicht ohen Grund: Kekkonen war da etwas empfindlich. Er hätte es Häyhä sicher übelgenommen, wenn er erzählt hätte, dass Kekkonen daneben geschossen hatte).

 

Seine Tätigkeit als Scharfschütze scheint Häyhä wenig belastet zu haben. Er empfand keine Gefühle für jene, die er mit einem gezielten Schuss umgebrachte. Wenn man ihn fragte, was er  gespürt habe, wenn er einen sowjetischen Soldaten oder Offizier erschoss, wusste er nur eine Antwort zu geben: Den Rückstoss des Gewehres an seiner Schulter habe er gespürt, sagte er.

 

Wie eine finnische Tageszeitung kürzlich vermeldete, haben Verwandte  tief in einer Schublade ein Erinnerungsbuch gefunden, das von Simo Häyhä stammt. Es soll noch dieses Jahr zugänglich gemacht werden. Zweifellos wird es dazu beitragen, den Menschen Häyhä besser kennen zu lernen.

 

 

 

Wirklich 500 Tote?

 

Es war der Schriftsteller Robert Brantberg, der eine Biographie über Häyhö geschrieben hat. Dorr hielt er fest, dass Häyhä als Scharfschütze 524 Menschen getötet hat.

 

Ab und zu wird in Finnland daran gezweifelt, ob dies wirklich stimmt. Hähyä selber scheint diese Zahl nie bestätigt zu haben.

 

Die exakte Zahl der Getöteten zu bestimmen, ist ohnehin schwierig oder gar unmöglich. Ein Scharfschütze kann nur dann sicher sein, sein Gegenüber getötet zu haben, wenn festzustellen vermag, ob er seinen Gegner wirklich tödlich getroffen hatte. Das aber ist nicht immer möglich.

 

 

 

 

Häyhäs - ein Mythos?

 

 

Ein Historiker sagt:

 

Der Winterkrieg wird in Finnland fast mystisch verklärt: Es war ein Krieg, in dem sich ein kleines Land erfolgreich gegen ein Riesenreich wehrte - es war der Kampf von David gegen Goliath.

 

Häyhä passt exakt in das Bild von David und Goliath. Häyhä wird als der David wahrgenommen, der es mit der sowjetischen Armee und damit mit Goliath aufgenommen hat. Dementsprechend wird seine Tätigkeit ebenfalls mystisch verklärt: Da istder kleine, bescheidene und zurückhaltende Bauer Simo Häyhä, der in den Krieg zieht und der - nur mit einem Gewehr ausgerüstet-  mehr als ein halbes Tausend Gegner umbringt.

 

 

 

 

 

 

 

scharfschützen im winterkrieg

 

 

Im Winterkrieg setzte die finnische Armee Scharfschützen ein.

 

Die sowjetischen Soldaten fürchteten dies Scharfschützen. Sie waren sich sicher, dass diese auf Bäumen sitzen und die sowjetischen Soldaten von dort her ins Visier nehmen würden.

 

Die finnische Armee betonte immer wieder, dass dies nicht der Fall war: Die Scharschützen befanden sich nicht auf den Bäumen. Sie hielten sich im Wald versteckt.

 

Von den Bäumen zu schiessen, wäre unmöglich gewesen. Zuerst einmal hätte ein Scharfschütze eine Leiter gebraucht, um auf einen Baum zu klettern. Diese Leiter aber hätte seinen Standort verraten.

 

Es wäre für die Scharfschützen ohnehin lebensgefährlich gewesen, auf einem Baum auf den Feind zu warten. Dort hätte jederzeit die Gefahr bestanden, von einerm Artilleriegeschoss getroffen zu werden  - im Winterkrieg setzte die sowjetische Armee eine riesige Menge von Artilleriegeschossen ein.

 

Auf den Bäumen wäre es aber auch noch aus einem andern Grund gefährlich gewesen: Auf einem Baum war man allenfalls dem Wind ausgesetzt.. Scharfschützen warten oft stundenlang, bis sie einen gezielten Schuss abgeben. Doch  es kann tödlich sein,  einem starken Wind ausgesetzt zu sein, wenn es zwanzig, dreissig oder gar vierzig Grad unter Null ist.

 

Viele russische Soldaten glauben den Beteuerungen der finnischen Armee nicht. Sie gingen davon aus, dass die Scharfschützen eben doch auf den Bäumen warteten  - das dachten sie sich auch von Simo Häyhä: Immer wieder suchte sie Bäume ab, um ihn zu finden.

 

 

 

 

 

 

 

Quellen

 

https://www.is.fi/kotimaa/art-2000001051590.html

 

https://www.youtube.com/watch?v=hfZuTLKDeXA
https://www.studio55.fi/tastapuhutaan/article/talvisodan-tarkka-ampujasta-tuli-sankari-liioiteltiinko-valkoista-kuolemaa/3124576