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DEN RICHTIGEN ORT WÄHLEN: TALI IHANTALA

 

 

Marschall Mannerheim hatte Oesch im Juni 1944 vorgeschlagen, sofort einen Gegenangriff gegen die sowjetische Armee zu starten.

 

Die meisten Leute hätten den Vorschlag von Marschalls aufgenommen und umgesetzt.

 

Oesch tat dies nicht.

 

Er sagte dem Marschall, dass dies kein sinnvolles Vorgehen sei. Und Mannerheim, der es eigentlich nicht gewohnt war, dass man ihm widersprach, stimmte ihm zu und liess Oesch freie Hand.

 

 

Oesch ordnete keinen Gegenangriff an. Er befahl einen Rückzug.

 

 

Das war sinnvoll. Der sowjetische Grossangriff hatte die finnischen Truppen in alle Himmelsrichtungen zerstreut. Indem sich die finnischen Truppen zurückzogen, konnten sie sich wieder ordnen und dafür sorgen, dass ihre Kräfte am richtigen Ort eingesetzt wurden.

 

Der Rückzug hatte einen weiteren Vorteil: Die finnische Armee gewann Zeit. Und diese hatte sie bitter nötig. Denn bevor sich die finnische Armee gegen die Sowjetunion würde wehren können, musste sie ihre Truppen verstärken.

 

Jene finnischen Truppen, die sich in Ostkarelien und damit am falschen Ort befanden, wurden deshalb sofort in Marsch gesetzt. Ihre Aufgabe war es, sich den  finnischen Truppen anzuschliessen, die bereits der sowjetischen Armee gegenüberstanden.

 

Ganze Divisionen von Soldaten und Offizieren mitsamt ihrem Kriegsmaterial von einem Ort zum andern zu bringen, ist eine extrem schwierge Aufgabe. Wer sie erfolgreich bewältigen will, muss nervenstark sein und er muss ausgezeichnet planen und koordinieren können.

 

 

Oesch konnte ausgezeichnet planen und koordinieren. Und nervenstark war er auch. Zeitlich wurde es sehr eng, doch Oesch und sein Stab sorgten dafür, dass sich die neuen Truppen an die karelische Landenge begaben und sich den dort stationieren Truppen anschlossen.

 

 

Damit hatte sich die Lage der finnischen Truppen verbessert. Oesch aber musste nun eine wichtige Frage beantworten:

 

Wo  würde in den nächsten Tagen die sowjetische Armee angreifen?

 

 

Oesch wusste, dass die sowjetische Armee über gute Panzerwaffen verfügte      - über Waffen, die jenen der finnischen Truppen überlegen waren. Für ihn war klar, dass die sowjetische Armee nicht auf diese Panzer verzichten würde.

 

Damit Panzer fahren können, brauchen sie jedoch einen festen Untergrund. Finnische Seen und Sümpfe liefern diesen festen Untergrund nicht. Sie stellen ein natürliches Hindernis dar, das die Panzer umgehen müssen.  

 

 

Oesch beugte sich über die Karten.

 

 

Er stellte erstens fest, dass es in der karelischen Landenge von Seen und Sümpfen nur so wimmelte.

 

Er stellte zweitens aber auch fest, dass es ein Gebiet in der Landenge gab, in welchem keine Seen und Sümpfe vorhanden waren.  Und in diesem Gebiet, so vermutete Oesch, würde die sowjetische Armee mit ihren Panzern vorrücken. Neben diesem Gebiet würde jedoch kein Angriff stattfinden. Dort befanden sich Seen, Sümpfe und ein Fluss, und all dies stellte eine natürliche Blockade dar.

 

 

Das Gebiet, das sich mit Panzern befahren liess, war klein und umfasste eine Fläche von rund 10 auf 20 Quadratkilometern. Oesch verlegte seine Truppen in dieses Gebiet und bereitete sie auf einen Grossangriff der Sowjetunion vor.

 

 

Oesch lag richtig. Die Sowjetunion griff an jenem Ort an,  an dem er den Angriff vermutet hatte.

 

Dass die Kampfhandlungen in einem kleinen Gebiet stattfanden, erwies sich für die Finnen als Vorteil: Sie konnten ihre  Kräfte auf dieses kleine Gebiet konzentrieren  - dadurch glichen sie ihre zahlenmässige Unterlegenheit aus.

 

Der finnischen Armee gelang es, die sowjetischen Truppen aufzuhalten – in einer Auseinandersetzung, die als die Schlacht von Tali Ihantala in die finnische Geschichte eingegangen ist.

 

 

 Oesch, Fortsetzungskrieg, Tali Ihantala

 

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